Weltgesundheitsorganisation fordert rasche Regulierung von E-Zigaretten angesichts zunehmender Abhängigkeit bei Jugendlichen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen dringenden Handlungsaufruf an die Regierungen in aller Welt gerichtet und sie aufgefordert, strenge Massnahmen zur Regulierung von E-Zigaretten zu ergreifen, um deren wachsende Beliebtheit unter Jugendlichen einzudämmen.

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Der Handlungsaufruf der WHO enthält einen technischen Leitfaden mit einem umfassenden Plan zur Bekämpfung der E-Zigaretten-Epidemie, die angesichts der steigenden Abhängigkeitsraten unter Jugendlichen inzwischen als solche angesehen wird. «Der Konsum von E-Zigaretten unter Kindern und Jugendlichen nimmt in alarmierender Weise zu», sagt Dr. Rüdiger Krech, WHO-Direktor für Gesundheitsförderung.

Die Empfehlungen der WHO beinhalten ein Verbot aller Aromastoffe in E-Zigaretten, wie z. B. Menthol, sowie die Einschränkung von Werbemassnahmen, die diese Produkte für junge Konsumentinnen und Konsumenten attraktiv machen. Ausserdem schlägt die Organisation vor, die Nikotinkonzentration und -menge zu begrenzen, Höchstmengen für E-Zigarettenkartuschen festzulegen und die Batteriekapazität der Geräte zu limitieren, um die Nikotin- und Schadstoffabgabe zu verringern. Ein neuer Aspekt dieses Leitfadens ist das Verbot von Funktionen, die eine Datenübertragung zwischen dem Gerät und Dritten ermöglichen. Dies betrifft zum Beispiel Smartphone-Apps, die persönliche Daten sammeln oder die Produktnutzung manipulieren könnten. Die WHO ist die erste Organisation, die auf mögliche Probleme durch die Überwachung und Fernsteuerung von E-Zigaretten durch Tabakunternehmen aufmerksam macht.

WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus betont den Ernst der Lage: «Kinder werden schon in jungen Jahren für den Gebrauch von E-Zigaretten rekrutiert und in eine Falle gelockt – mit dem Risiko, nikotinabhängig zu werden.»

Diese Aussage spiegelt die Ergebnisse des Berichts wider, wonach 13- bis 15-Jährige in allen WHO-Regionen häufiger E-Zigaretten konsumieren als Erwachsene – ein Trend, der durch die aggressiven Marketingstrategien der Tabakunternehmen angeheizt wird. Auch in der Schweiz fegt ein Nikotintsunami durch die Schulen. Der technische Leitfaden geht zudem darauf ein, wie Tabakunternehmen über soziale Medien und Influencerinnen und Influencern mit Tausenden von attraktiven Geschmacksrichtungen und Designs Kinder gezielt ansprechen. Aus diesem Grund spricht sich die WHO für ein Verbot attraktiver und/oder verkaufsfördernder Merkmale in der Aufmachung und Verpackung von E-Zigaretten aus.

Nikotinhaltige E-Zigaretten haben nicht nur ein hohes Suchtpotenzial, sondern bergen auch erhebliche Gesundheitsrisiken. Zwar fehlen umfassende Daten zu den gesundheitlichen Langzeitfolgen, doch steht fest, dass E-Zigaretten Giftstoffe freisetzen, die mit Krebs-, Herz- und Lungenerkrankungen in Verbindung stehen. Die WHO ist auch besorgt über die Auswirkungen von E-Zigaretten auf die Gehirnentwicklung junger Menschen und die Exposition von Umstehenden gegenüber Emissionen.

Der Handlungsaufruf der WHO unterscheidet zwischen E-Zigaretten als Konsumprodukt und regulierten Produkten, die unter medizinischer Aufsicht verwendet werden. Die WHO betont, dass die Wirksamkeit von E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung in der Bevölkerung nicht nachgewiesen ist und sie zu diesem Zweck nicht als Konsumprodukt verkauft werden sollten. Das gängige Argument, E-Zigaretten seien 95 % weniger gefährlich als herkömmliche Zigaretten, ist ein Mythos, der auf unzureichender wissenschaftlicher Forschung beruht. Stattdessen sollte jede Raucherentwöhnungsstrategie, die E-Zigaretten einbezieht, diese als Arzneimittel regulieren und angemessene klinische Bedingungen sicherstellen.

Dieser umfassende Ansatz der WHO ist ein entscheidender Schritt hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung von E-Zigaretten. Er appelliert an Regierungen und Akteure des Gesundheitswesens, der öffentlichen Gesundheit Vorrang einzuräumen und dem Einfluss der Tabak- und E-Zigarettenindustrie entgegenzuwirken. Letztere bewirbt ihre Produkte bei einer neuen Generation und riskiert damit, gesundheitliche Ungleichheiten und damit verbundene negative Entwicklungen zu verstärken. Wir hoffen, dass die entschlossene Haltung der WHO auf globaler und nationaler Ebene bei den Bundesbehörden in der Schweiz Widerhall findet, um die notwendigen politischen Veränderungen herbeizuführen und einen grundlegenden Wandel im Kampf gegen die Nikotinsucht bei Jugendlichen einzuleiten.Top of Form

WHO Quelle:

WHO Pressemitteilung

WHO Electronic Cigarettes: call to action

WHO Technical note on the call to action on electronic cigarettes

Weitere Quellen:

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